Xiēhòuyǔ 歇后语 erfreuen sich in China allgemeiner Beliebheit. Xiēhòuyǔ, chinesische Sagwörter, das sind zweiteilige, umgangssprachliche Redewendungen, die nicht selten einen scherzhaften, bisweilen ironischen Unterton haben.

Der erste, bildhafte A-Teil wird vom zweiten – erst nach einer kurzen Kunstpause gesprochenen – B-Teil in meist überraschender und witziger Weise aufgelöst. Dabei ist die „Auflösung“ oft nur Aufhänger für ein Kalauer ähnliches Wortspiel. Die Bilder aus dem A-Teil sind „typisch“ chinesisch: sie beschreiben vor allem Dinge aus dem chinesischen Alltag, aber auch in China allgemein bekannte historische oder fiktive Personen und Begebenheiten. Xiēhòuyǔ stellen hohe Anforderungen an das sprachliche und außersprachliche Wissen. Das Erlernen von chinesischen Sagwörtern trägt somit zum tieferen Verständnis der Geschichte und Kultur Chinas bei. 

Xiēhòuyǔ, das bedeutet wörtlich „Ausdruck, dessen hinterer Teil ausgelassen wird“. Meistens werden jedoch beide Teile ausgesprochen. Nur bei besonders bekannten xiēhòuyǔ spricht man den zweiten Teil nicht aus, ähnlich wie hierzulande bei einigen Sprichwörtern: „Wenn man vom Teufel spricht, …“. Ist man als Ausländer mit xiēhòuyǔ und deren Doppeldeutigkeit nicht vertraut, kann das leicht zu mehr oder weniger folgenreichen Missverständnissen führen:

Herausgegeben von Elke Spielmanns-Rome und Wolfgang Kubin, nach einem Manuskript von Barbara Chang, Buske Verlag, Hamburg

Zielgruppe:

Fortgeschrittene Lernende, die ihre Sprachkompetenz um die wichtige Komponente chinesischer Phraseme erweitern möchten; Übersetzer und Dolmetscher; alle an der chinesischen Kultur Interessierte; Sprach- und Kulturwissenschaftler

Konzeption:

Xiehouyu sind zweiteilige Redewendungen, die sich in China allgemeiner Beliebtheit erfreuen und vornehmlich in der gesprochenen Sprache Verwendung finden. Dieses chinesisch-deutsche Wörterbuch der Sagwörter richtet sich an alle Lernenden und Sprecher der chinesischen Sprache, die ihre Sprachkompetenz um die wichtige Komponente der Xiehouyu erweitern möchten, und listet knapp 1.400 Sagwörter in chinesischen Schriftzeichen, in Pinyin und in deutscher Übersetzung auf. Es führt in den Wortwitz der Chinesen ein und enthält darüber hinaus wertvolle Informationen und Hintergrundwissen zu Alltag, Brauchtum und Kultur der Chinesen. Als übersichtliches Nachschlagewerk mit Übersetzung und Erklärung für jedes Wortspiel ist das Wörterbuch ein unerlässliches Hilfsmittel für Studium und Beruf.

Eine ausführliche Einleitung zum Thema Xiehouyu, eine Bibliographie mit einer Auflistung aller wichtigen Sammlungen und einem Überblick über die einschlägige Literatur sowie ein knapp 5.000 Einträge umfassendes Stichwortregister runden den Band ab. Das Stichwortregister ist alphabetisch nach der Pinyin-Umschrift sortiert und enthält neben den kompletten B-Teilen, die meist aus idiomatischen Wendungen oder Dialektausdrücken bestehen, auch viele Begriffe aus den A-Teilen.

爱窝窝打金钱眼——蔫准

Àiwōwo dǎ jīnqiányǎn——niānzhǔn

Deutsch: Mit einem Klebreisklößchen nach der Glücksmünze werfen —— <geräuschlos treffen> (Dialekt) still/zurückhaltend, aber zielstrebig; ein stilles Wasser

Im 白云观 Báiyúnguàn, dem taoistischen Tempel der Weißen Wolke, im Südwesten Pekings befindet sich im Eingangsbereich eine große Kupfermünze mit einem Loch in der Mitte, in dem an einer Schnur eine kleine Glocke befestigt ist. Im alten China öffnete dieser Tempel jedes Jahr zum Frühlingsfest, also zu Beginn des neuen Jahres, der Allgemeinheit seine Pforten. Die Besucher warfen dann mit Geldstücken nach der kleinen Glocke: Ein Treffer, der durch ein helles Klingen nicht zu überhören war, wurde als Omen für ein glückliches neues Jahr gedeutet; diesen Brauch, der in den letzten Jahren wieder aufgelebt ist, nennt man 打金钱眼 dǎ jīnqiányǎn. Würde man mit einem klebrigen Reisklößchen statt mit einem Geldstück nach der Glocke werfen, bliebe ein Treffer geräuschlos.

爱窝窝 àiwōwo (auch 艾窝窝) sind Reisklößchen mit einer süßen Füllung aus Rosinen, Nüssen oder Melonenkernen. Man bereitet sie speziell zum Frühlingsfest aus Klebreis zu.

Russisch: Хлебец «ай-во-во» бросают в отверстие большого чоха –– и клеЙкuм можно попасть в цель (Boris Ivanovič Pankratov, Mongolistika. Sinologija. Buddologija. Strany i Narody Vostoka, Bd. 1, XXIX, hrsg. von Jurij L. Krol', St. Petersburg: Centr Peterburgskoe Vostokovedenie 1998, S. 157)